Ohren & Gehör
Ohren & Hören: Überblick
Das Ohr ist gleichzeitig für Hören und Gleichgewicht zuständig. Ohrenerkrankungen kommen bei Haustieren, besonders bei Hunden, so häufig vor, dass Halter frühe Anzeichen oft für einfachen Juckreiz halten statt für eine Infektion oder eine Erkrankung des Innenohrs.
Das Ohr erfüllt zwei Aufgaben gleichzeitig: Es nimmt Schall auf, und sein innerer Teil hilft dem Gehirn, die Lage des Körpers im Raum zu erfassen. Wegen dieser zweiten Aufgabe können Ohrenerkrankungen Probleme verursachen, die mit dem Hören gar nichts zu tun haben, etwa einen unsicheren Gang oder eine Kopfschiefhaltung, die eher nach einem neurologischen Problem aussieht als nach einer Ohrerkrankung.
Hunde, vor allem Rassen mit Hängeohren oder stark behaarten Ohren, entwickeln häufiger Ohrenerkrankungen als fast jede andere Heimtierart, weil die verringerte Luftzirkulation im Gehörgang ein warmes, feuchtes Klima schafft, das Hefepilze und Bakterien begünstigt. Katzen und Kaninchen neigen eher zu Ohrmilben, winzigen Parasiten, die im Gehörgang leben und starken Juckreiz auslösen.
Vögel besitzen keine äussere, trichterförmige Ohrmuschel wie Säugetiere, sondern hören über eine kleine, gefiederte Öffnung an der Kopfseite, was sowohl das Erscheinungsbild als auch die Untersuchung von Ohrenerkrankungen verändert. Fische haben überhaupt kein äusseres Ohr und nehmen Vibrationen und Orientierung über innere Strukturen sowie ein eigenes Sinnessystem entlang des Körpers wahr, das Seitenlinie genannt wird.
Ohren & Hören: Anatomie
Das Ohr besteht aus drei miteinander verbundenen Abschnitten: einem äusseren Gehörgang, der Schall auffängt, einem mittleren Bereich mit schwingenden Gehörknöchelchen und einem inneren Bereich, der Schwingungen in Signale umwandelt und zugleich das Gleichgewicht steuert.
Zum äusseren Ohr gehören die Ohrmuschel, der sichtbare Teil, der Schall nach innen leitet, sowie der Gehörgang, der zum Trommelfell führt. Bei Hunden und Katzen knickt dieser Gehörgang scharf von senkrecht zu waagerecht ab, bevor er das Trommelfell erreicht, eine Form, in der sich Schmutz und Feuchtigkeit leichter ansammeln als in dem geraderen Gehörgang vieler anderer Arten.
Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr, ein kleiner, luftgefüllter Raum mit winzigen Knöchelchen, die Schwingungen nach innen weiterleiten. Über die Eustachische Röhre ist es mit dem Rachen verbunden, was dem Druckausgleich dient. Das Innenohr enthält die Cochlea, die Schwingungen in die Nervensignale umwandelt, die das Gehirn als Schall wahrnimmt, sowie den Vestibularapparat, ein System flüssigkeitsgefüllter Kanäle, das Kopfhaltung und Bewegung erfasst.
Die Ohrform unterscheidet sich stark zwischen Arten und sogar zwischen Rassen. Aufrechte Ohren, wie sie bei vielen Katzenrassen und manchen Hunden vorkommen, ermöglichen eine bessere Luftzirkulation und gehen meist mit niedrigeren Infektionsraten einher als die hängenden Ohren, die vielen Hunderassen angezüchtet wurden. Kaninchen haben besonders lange Gehörgänge, die eine gründliche Untersuchung und Reinigung schwieriger machen als bei einer Katze. Reptilien besitzen überhaupt keine äussere Ohrstruktur und nehmen Schall grösstenteils über Vibrationen wahr, die über Kiefer und Schädel geleitet werden.
Ohren & Hören: Häufige Erkrankungen
Zu den Ohrenerkrankungen bei Haustieren zählen Otitis externa, Ohrmilben, Ohrhämatome, Mittel- und Innenohrentzündungen sowie angeborene und altersbedingte Taubheit, wobei sich das jeweilige Risiko je nach Tierart und Ohrform unterscheidet.
Otitis externa, eine Entzündung des äusseren Gehörgangs, ist bei Hunden mit Abstand das häufigste Ohrenproblem. Ursache ist selten ein einzelner einfacher Auslöser, sondern meist eine Kombination aus Allergien, übermässiger Feuchtigkeit oder einer zugrunde liegenden Hefepilz- oder Bakterienüberwucherung. Unbehandelt kann sie auf das Mittelohr übergreifen und zu einer Otitis media werden oder sich weiter zur Otitis interna ausbreiten, die Gleichgewicht und Gehör beeinträchtigt.
Ohrmilben sind eine häufige Ursache für starken Juckreiz bei Katzen, Kaninchen und jungen Welpen und erzeugen einen typischen dunklen, krümeligen Ausfluss. Ein Ohrhämatom, eine Blutansammlung in der Ohrmuschel, entsteht meist durch heftiges Kopfschütteln oder Kratzen, wobei ein kleines Blutgefäss platzt, oft ausgelöst durch eine zugrunde liegende Infektion oder Reizung.
Taubheit kann angeboren sein, was bei weissfelligen Hunden und Katzen mit blauen Augen aufgrund eines gemeinsamen genetischen Wegs häufiger vorkommt, oder im Laufe des Lebens durch chronische Infektionen, altersbedingte Nervenveränderungen oder in seltenen Fällen bestimmte Medikamente erworben werden. Katzen können ausserdem entzündliche Polypen im Gehörgang oder Mittelohr entwickeln, die Symptome verursachen, die einer chronischen Infektion ähneln, bis das Wachstum selbst entdeckt und entfernt wird.
Ohren & Hören: Warnzeichen
Kopfschütteln, Kratzen an den Ohren, Geruch, Ausfluss, eine Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsverlust oder eine verminderte Reaktion auf Geräusche sind Anzeichen, die auf eine Ohrenerkrankung hindeuten.
Häufiges Kopfschütteln oder Kratzen an einem oder beiden Ohren ist meist das erste Anzeichen, das Haltern auffällt, oft noch bevor Geruch oder Ausfluss erkennbar werden. Ein säuerlicher oder hefeartiger Geruch sowie ein dunkler, wachsartiger oder krümeliger Ausfluss deuten je nach Aussehen und Konsistenz auf eine Infektion oder auf Milben hin.
Eine geschwollene, flüssigkeitsgefüllte Stelle in der Ohrmuschel, die nach heftigem Kratzen auftritt, ist ein Hämatom und heilt nicht von selbst ab. Schmerzen beim Berühren des Ohransatzes oder ein Tier, das zurückzuckt oder sich gegen das Anfassen der Ohren wehrt, sprechen für ein fortgeschritteneres Problem als eine blosse Oberflächenreizung.
Gleichgewichtsbezogene Anzeichen wie eine Kopfschiefhaltung, Stolpern, Drehen zu einer Seite oder schnelle, zuckende Augenbewegungen deuten eher auf das Innenohr als auf den äusseren Gehörgang hin und können beunruhigend ähnlich wie ein Gehirnproblem wirken. Eine verminderte Reaktion auf Geräusche, etwa wenn das Tier nicht mehr auf Rufen reagiert oder Geräusche verschläft, die es früher geweckt haben, kann auf einen beginnenden Hörverlust hindeuten.
Ohren & Hören: Wann zum Tierarzt
Eine plötzliche Kopfschiefhaltung mit Stolpern ist dringend; anhaltendes Kratzen, Geruch oder Ausfluss rechtfertigen einen Termin noch am selben Tag oder einen regulären Besuch, bevor sich die Infektion tiefer im Ohr ausbreitet.
Bei einer plötzlichen Kopfschiefhaltung zusammen mit Stolpern, Drehen im Kreis oder schnellen Augenbewegungen sollte noch am selben Tag oder notfallmässig ein Tierarzt aufgesucht werden, da dieses Muster auf eine Beteiligung des Innenohrs oder sogar des Gehirns hindeuten kann, bei der eine rasche Diagnose wichtig ist. Starke Schmerzen, eine deutliche Schwellung der Ohrmuschel oder ein Tier, das keine Berührung in Ohrnähe zulässt, rechtfertigen ebenfalls einen Termin am selben Tag.
Anhaltendes Kopfschütteln mit sichtbarem Ausfluss oder Geruch rechtfertigt einen Termin am selben Tag oder kurzfristig, da unbehandelte Aussenohrinfektionen innerhalb weniger Tage auf das Mittelohr übergreifen und schwerer zu behandeln werden können. Ein frisch entdecktes Hämatom ist meist kein echter Notfall, lässt sich aber am einfachsten behandeln, solange es sich noch nicht vollständig verfestigt hat.
Ein regulärer Termin genügt bei leichtem, gelegentlichem Kratzen ohne Ausfluss oder bei einer allmählich nachlassenden Reaktion auf Geräusche, besonders bei älteren Tieren, bei denen ein gewisser Hörverlust zu erwarten ist. Auch ein schleichender Hörverlust sollte abgeklärt werden, denn eine behandelbare Ursache lässt sich bei einem regulären Termin unkompliziert ausschliessen.
Ohren & Hören: FAQ
Halter fragen häufig, warum Hunde mit Hängeohren öfter Infektionen bekommen, ob Ohrmilben zwischen Haustieren übertragbar sind und ob eine Kopfschiefhaltung immer auf ein Gehirnproblem hindeutet.
Warum bekommen Hunde mit Hängeohren häufiger Infektionen?
Hängeohren verringern die Luftzirkulation im Gehörgang und halten ihn wärmer und feuchter als ein aufrechtes Ohr, was Hefepilzen und Bakterien in die Hände spielt, die für die meisten Aussenohrinfektionen verantwortlich sind.
Sind Ohrmilben auf andere Haustiere übertragbar?
Ja, Ohrmilben verbreiten sich leicht zwischen Tieren mit engem Kontakt. Deshalb werden andere Haustiere im selben Haushalt oft gleichzeitig behandelt, auch wenn sie noch keine Symptome zeigen.
Bedeutet eine Kopfschiefhaltung immer ein Gehirnproblem?
Meist nicht. Eine Kopfschiefhaltung entsteht häufiger durch eine Innenohrerkrankung als durch das Gehirn, auch wenn eine tierärztliche Untersuchung nötig ist, um beides sicher zu unterscheiden.
Lässt sich Hörverlust bei älteren Haustieren behandeln?
Altersbedingter Hörverlust durch Nervenveränderungen lässt sich in der Regel nicht rückgängig machen, aber ein begleitender Ohrenschmalzstau oder eine Infektion können behandelt werden. Viele Tiere kommen anschliessend gut zurecht, indem sie sich stärker auf visuelle Reize und Gerüche verlassen.
Ist ein Ohrhämatom ein Notfall?
Es ist unangenehm, aber kurzfristig selten gefährlich. Eine zeitnahe Behandlung lohnt sich trotzdem, denn ein unbehandeltes Hämatom kann so verheilen, dass das Ohr dauerhaft verformt bleibt.
Signs to watch
Conditions
- Erbliche angeborene Taubheit
- Infektiöse Otitis externa beim Hund — Ohrenentzündung
- Ohrmilbenbefall (Otodectes cynotis) — Ohrmilben
- Ohrmilbenbefall (Otodectes cynotis) beim Frettchen — Ohrmilben
- Ohrmilbenbefall (Psoroptes cuniculi) — Ohrräude
- Otitis externa — Ohrenentzündung
- Vestibularerkrankung — Vestibularsyndrom des alten Hundes
- Vestibularerkrankung mit Kopfschiefhaltung — Schiefhals
- Zymbaldrüsentumor bei Ratten — Ohrbasistumor
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